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 05.12.2019 0 Kommentare

Generation Internet – So verändert das digitale Zeitalter die Begegnung von Menschen

Von immer flüchtigeren Beziehungen in einer vernetzten Welt

Hallo aus Düsseldorf! Ich heiße Gerrit Neumann und ich bin freiberuflicher Texter. Kommunikation ist in meinem Beruf das A und O, ob es nun um das Treffen des richtigen Tons in einem Text geht oder um den Umgang mit dem Kunden selbst. Nicht immer klappt dabei alles sofort. Dinge werden missverstanden, einiges nicht genau abgeklärt. Werden unsere Erwartungen nicht erfüllt, werden wir enttäuscht. Aber wir können daraus lernen, Dinge in der Zukunft besser, genauer mitzuteilen. Das alles ist Teil eines Lernprozesses, den jeder von uns durchläuft. Wir lernen, uns aufeinander einzustellen, mit Missverständnissen und Enttäuschungen umzugehen, um letztlich die Begegnung mit den Menschen um uns herum so positiv wie möglich zu gestalten.

In der Begegnung liegt für mich der Schlüssel für ein glückliches Leben. Wir brauchen die Begegnung mit anderen Menschen in unserem Leben, um uns nicht einsam zu fühlen, um uns gebraucht, geschätzt und geliebt zu fühlen. Ohne solche Erfahrungen verkümmert der Mensch. Ich bin Teil der Generation Internet – die erste Generation, die von der digitalen Revolution in den so wichtigen formativen Jahren der Jugend voll erfasst wurde. Und ich schaue mit Sorge auf die Folgen.

Eine Textbox ersetzt keinen Menschen

Ich bin davon überzeugt, dass das Internet unser Kommunikationsverhalten entscheidend geprägt hat. Auf einmal konnten wir mit nur einem Klick mit jemandem weit weg kommunizieren, selbst wenn es nur in der Form von Textboxen geschieht. Aber genau hierin liegt die Gefahr. Über eine Textbox können wir so viele Dinge nicht kommunizieren. Körpersprache, Ton, Mimik... all dies geht verloren, daran ändern auch Hilfsmittel wie Emojis nur wenig. Die Folge? Missverständnisse. Aber viel mehr noch: Einige Menschen begannen, vorrangig über Textboxen zu kommunizieren. Und so hatten sie kaum Chancen, die Erfahrungen zu machen, die wir brauchen, um den oben angesprochenen Lernprozess zu durchlaufen.

Gesundheit im digitalen Zeitalter

Ein anderer Aspekt ist aber womöglich noch gefährlicher: Eine Textbox kann einfach weggeklickt werden. Während man in der Begegnung lernen muss, auch mit Menschen umzugehen, die uns missfallen, können wir diese über das Internet spielend einfach ausblenden. Genau diese Mentalität erkenne ich nun in vielen Menschen um mich auch in anderen Aspekten des Lebens. Das Stichwort heißt „Ghosting“ und wird verhaltenspsychologisch heute in Studien wie dieser untersucht: https://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/0265407517748791

Hier und weg mit einem Swipe

Genauso schnell wie man einen Kontakt aufbauen kann, kann man ihn wieder abbrechen – mit einem Klick ist alles möglich. Es war nie so einfach, neue Leute kennen zu lernen, wie heute. Dieser empfundene Überfluss ist es wohl, der so viele aus meiner Generation antreibt, Kontakte immer flüchtiger aufzubauen. Warum den Partner fürs Leben binden, wenn der nächste Kandidat nur einen Swipe entfernt liegt? Warum lernen, sich mit den negativen Seiten einer Beziehung abzufinden, wenn man es so einfach neu versuchen könnte?

Gesunde Kommunikation beginnt face to face

Es sind diese Aspekte, weswegen es vielen heute immer schwerer fällt, im Miteinander Kompromisse zu machen. Warum auch, wenn es so viel Auswahl gibt? Das zumindest scheint das Credo, nach dem gefühlt immer mehr Menschen leben. Das Dilemma, dass eine größere Auswahl sich negativ auf unsere Bewertung einer Entscheidung auswirken kann, wurde übrigens wissenschaftlich gut belegt: https://faculty.washington.edu/jdb/345/345%20Articles/Iyengar%20%26%20Lepper%20(2000).pdf

Nichts kann die Begegnung ersetzen – Einsamkeit kann krank machen

Während die einen die vielleicht am Anfang stressige Begegnung mit Menschen zugunsten der einfachen aber so viel weniger erfüllenden Internet-Kommunikation aufgegeben haben und die anderen ihre MitMenschen wie austauschbare Paare Schuhe behandeln, bleibt eine Sache gleich: Ohne die Begegnung mit anderen geht uns ein Teil Menschsein verloren. Dazu gehört es, Geduld zu haben und den Kompromiss zu suchen. Dazu gehört es auch, anderen beizustehen und ihnen zu helfen, wenn es ihnen schlecht geht. Selbst dann, wenn wir uns in diesen Momenten vielleicht sogar im ersten Impuls von ihnen abwenden möchten.

Gesundheitsfördernde Beziehungen pflegen: von MENSCH zu MENSCH

Als ich mit Farid Zitoun und Christian Rüger über das Thema sprach, wurde mir aber zum ersten Mal wirklich bewusst, welchen Effekt unser digital aufgepepptes Kommunikationsleben auf unsere Gesundheit haben kann. Einsamkeit kann krank machen. Darauf gehen die beiden auch in ihrem neuen YouTube-Video ein: "Kommunikation, Liebe & Beziehung – Wichtig für die Gesundheit!"

Ich möchte jedoch nicht alles negativ erscheinen lassen, denn das wäre vermessen. Die meisten Menschen sind auch heute noch sozial integriert. Und dann gibt es noch eine Sache, dir mir besonders Mut macht: Ich erkenne immer häufiger, wie Menschen den Wert der Begegnung für sich wiederentdecken. Auch in Zukunft wird die Textbox also nicht den Menschen ersetzen.

Was haltet ihr von dem Einfluss der neuen digitalen Medien auf unser Zusammenleben? Habt ihr bereits Unterschiede zu früher bemerkt? Oder ist das Ganze aus eurer Sicht gar kein so großes Problem, sondern im Gegenteil sogar eine große Chance? Ich freue mich darauf, eure Meinungen in den Kommentaren zu lesen!

Der Einfluss neuer digitaler Medien auf unser Zusammenleben

über den autor

Gastautor Gerrit Neumann

Gastautor Gerrit Neumann

… arbeitet bereits seit über acht Jahren freiberuflich als Texter und Online-Redakteur. An der Universität Düsseldorf studiert er zur Zeit Linguistik im Master, den Bachelor machte er im Fach Modernes Japan. Seine Freizeit füllt Gerrit Neumann (geb. 1991) vor allem mit Musik und dem Spielen seiner geliebten E-Gitarre.

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